Das waren Zeiten. Man war jung, turnte in der Mittelstufe umher und suchte im Wust der Pubertät nach einer selbst gebastelten, oft aufgesetzten Identität. Klar, dass Musik da als Orientierung diente. Und wie ich mich noch gut erinnern kann, kamen viele an der Band Linkin Park einfach nicht vorbei. Seit ihrem Durchbruch sind schon mehr als neun Jahre vergangen. Zeit, dass sich mal mein altes, pubertäres Ich, welches ich versuche aus den tiefsten Erinnerungen meines Gehirns zu simulieren, mit meinem heutigen Ich an einen Tisch setzt. Auf zum Dialog! Und nein, ich bin nicht schizophren!

“Hallo kleiner Mann”
“Alter, was wilst du denn!?”
“Ich möchte mich mit dir unterhalten.”
“Und worüber bitte? Was mach ich hir überhaupt? Wer bis du eigentlich?!
“Ich bin du, nur in deiner Zukunft!”
“Bist du ein Zeitreisender aus der Zukunft?”
“Nein, das hier ist weder Zukunft, noch Vergangenheit oder deine Gegenwart. Ich hocke einfach nur gerade vor meinem PC und schreibe einen imaginären Dialog zwischen mir im Jahre 2009 und mir im Jahre 2001, also dir. Und da das hier meine Gedanken sind, hör auf dämliche Fragen zu stellen und lass uns über Linkin Park reden!”
“Hä?”
“Bitte?”
“Okayokay.”
“Geht doch!”
“Und wo sind wir hier?”
“Das darf doch wohl nicht wahr sein! Wer sind eigentlich deine Eltern! - Achja ich vergaß.”
“Ich finde wir sind in meinem Traumzimmer, da ein dicker Plasmabildschirm, da eine große Musikanlage und ein geiler Computer!”
“Materialist!”
“Wie?”
“Ruhe! Was hältst du von Linkin Park?”
“Geile Band!”
“Ist das alles?”
“Jo”
“Warum sind die denn “geil“”?
“Die schrein und sind laut.”
“Mach mir nichts vor, denn ich bin schließlich du und du also ich, wenn man so will also wir…”
“Hä?”
“…Ruhe, unterbrich mich nicht! Ich weiß genau, dass dich das Geschreie von Chester Benington nervt!”
“Den schreibt mann mit doppel-n!”
“Guck dir erstmal deine Rechtschreibung an! Du magst das Geschrei nicht!”
“Ja stimt schon, aber ich mag das laute an den.”
“Du meinst wohl eher die Energie, die sich in ausschweifenden und brettharten Nu Metal Refrains entlädt?”
“ja, so kann man das wohl ausdrücken, halt diese harte Gitare und das laute Schlachzeug.”
“Und wie findest du den Text?”
“Text? Der ist mir doch lax!”
“Okay, was macht die Band so beliebt?”
“Die sind einfach beliebt, sind hart und irgend wie cool! Aber jetzt sag mal, wozu brauchst du mich eigentlich wenn du eh schon weißt das ich zum Beispiel das Geschrei nicht mag?”
“Hm, ganz so dämlich bist du ja doch nicht, also ich in jungen Jahren.”
“Ganz schön arogant!”
“Geh spielen, ich mache allein weiter!”
“Na Gott sei dank!”

Fassen wir das Ganze noch mal zusammen: Linkin Parks erstes Album “Hybrid Theory” ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass Musik sowohl sehr kommerziell vermarktet werden kann, aber trotzdem innovativ ist. Denn die Kombination aus Hip-Hop, Metal und Remix-Elementen hat es bis dato höchstens noch bei der Band Limp Bizkit gegeben. HipHop stellvertretend für das Coole, Metal für das Harte, machte und macht Linkin Park wohl zum ausgezeichnetes Trittbrett, um zu beweisen, wie cool man als Teenager ist und wie radikal man sich von seinen Eltern abgrenzt.
Das Dritte Album “Minutes to Midnight” verlor an Radikalität, wurde von vielen als schlechter abgetan, ich dagegen sah es als sehr positiv, da sich die Band weiter zu entwickeln schien.
Wie auch immer, kommen wir zum eigentlichen Kern, zur Single “New Divide”. Episch, martialisch kommt der Song daher, wobei der Refrain ein wenig an das Hauptthema des Songs “Small Town Boy” von Paradise Lost erinnert. Nach all der Zeit ist sich Linkin Park treu geblieben, es kracht nach wie vor, die Musik strahlt Energie aus, die Gitarre wird mit schweren Akkorden gebürstet und Chester Bennington (mit “Doppel-N”!) beweist wieder einmal, dass er singen kann, nur die Komponente des Hip-Hop existiert leider nicht mehr. Der Text ist typisch für Linkin Park in eine Art nebulöse Endzeitstimmung gehüllt, was durchaus zur kraftvollen Musik passt. Dass sich dahinter dann allem Anschein nach eine Art Beziehungskrise versteckt, deckt sich eher weniger mit der Energie der Musik. Aber wer weiß, es soll Menschen geben, die in solchen Situationen ganze Häuserblocks inklusive Porzellanservice platt machen.
Linkin Park ist schon lange nicht mehr meine Musik. Ich gehe es heute ruhiger an und suche nicht immer gleich den ausschweifenden Refrain. Wer aber auf energiegeladene, gern radikale und rockige Musik steht, die in der Metal-Szene auch mal ohne extremes Growling auskommt, der wird an Linkin Park, genauso wie treue Fans wieder Geschmack finden.

Transformers!? Dieser Blockbuster sponsored by US-Army? Ja, die brauchen energiereiche, martialische Mucke, genauso wie Hell Boy sich bei Rammstein bedient hat. Dass Linkin Park dafür den Kopf hinhält, kann man wohl als zusätzliche Kommerzialisierung ihrer Musik verstehen. Wage zu behaupten, dass ihre innovative Zeit vorbei ist.


Musikvideo: Linkin Park - New Divide

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