Matzes Chartreview #11: Michael Jackson - Thriller
Kolumne |
16. Juli 2009 14:45 Uhr |
Matze |

Darauf hatten wir doch nur gewartet, oder? Nach Michael Jacksons Tod blüht das Geschäft für Sony und Co! Vier seiner Alben sind momentan in den top ten der deutschen Albumcharts, davon allein zwei auf den ersten beiden Plätzen. Und auch in den top ten der Singlecharts findet man Michael Jacksons akustische Gelddruckmaschine alias “Thriller”, sechs weitere Songs allein in den Top 30! Würde gerne mal wissen, wer die Trauerfeier finanziert hat. Vielleicht Sony, so als inoffizielle Werbekampagne? Möglicherweise war sie aber auch für etwas viel Größeres bestimmt. Ich habe da meine ganz eigene Theorie.
Ich hatte die Hoffnung - nein, Hoffnung ist hier das falsche Wort. Belassen wir es bei einer “Vorstellung” des größten, skandalösesten, schockierendsten und unübertreffbarsten Comebacks in der gesamten Musikgeschichte, welches auch nur einem einzigen Mann so vollkommen, so grandios, so groß hätte gelingen können: Michael Jackson.
Eine Milliarde Rotz und Schnotter heulender, plötzlich konvertierter Hardcore-Jacko-Fans, saßen vorm Fernseher, glotzten wie gebannt auf die flimmernden Bilder der Mattscheibe, welche ihnen die riesige, mit Menschen dicht gedrängte, in tiefen Schatten liegende Staples-Arena in der Stadt der Engel offenbarte. Die Ganze Welt lag in einem tiefen Schleier aus Schweigen (zumindest die, die einen Fernseher besaß, in China ging also eher die Party ab). Der goldene Sarg durch die dunkle Halle getragen, nur einzelne, bitter schluchzende Seufzer durchbrechen die Stille. Sanft aufgebart, wie auf einem Altar thronend steht er da, der in der Dunkelheit schimmernde, goldene Sarg. Alles ruhig, die Welt steht still (abgesehen von 1,3 Milliarden laut schnatternden Chinesen), ein kalter Schauer läuft den Menschen über den Rücken. Und dann, ganz langsam schiebt sich der Deckel des Sargs auf, das Knirschen hallt über die Millionen an Fernsehergeräte rund um die Welt, Zombies kriechen hinter dem Sarg aus dem Dunklen, kaum zu hören, aber doch immer klarer erhebt sich eine bekannte Melodie und da steht er: der “God of Pop“, auferstanden von den Toten! Gelähmt, ächzend, schockiert, doch sie kriechen alle zu ihm als er anfängt seinen Gottestanz zu vollführen, und scheitern doch an der Scheibe ihres Fernsehers. Da! Die Lichtorgel kracht, die Musik schallt, die Menschen stöhnen und der markdurchdringenden Schrei: “THRILLER!” lässt die Emotionswelt der Menschen bersten in einem Konglomerat aus absolutem Schock und totalem Glücksgefühl! Und das alles, das alles haben die Chinesen nicht mitbekommen!
Und der Rest der Welt auch nicht, denn der Sarg war zugenagelt.
Oder der Deckel war einfach nur zu schwer, schließlich war er aus Gold.
Oder, wenn wir ganz ehrlich sind, Michael Jackson ist wirklich Tod, jedenfalls ist es nicht passiert.
Wie pervers wäre es gewesen, seinen eigenen Tod zu inszenieren, wie absolut schockierend wäre dieser Betrug gewesen, wie absolut grandios der Erfolg? So eine medial aufbereitete Auferstehung? Dagegen ist Jesus doch ein Witz, da kann der doch die Koffer packen, ausgespielt, die neue Religion wäre das “Jackotum”!
Wie gesagt, alles eine Vorstellung. Jacksons Tod hinterlässt uns einen Haufen Songs, von denen unter anderem “Thriller” momentan in den deutschen Charts rumcreeped. Was soll ich dazu sagen? Wäre es nun nicht Michael Jackson, würde ich vermutlich die schlechtesten Kalauer über die immer währende Hintergrundmelodie reißen. Ob man seine Musik mag, ist wie immer Geschmacksfrage. Ich stelle zu mindest fest (das tut vermutlich jeder), dass Jacksons Gesang und Gesangsstil absolut einzigartig sind und seine Musik erst zu dem machen, was sie ist. Die Stimme ist absolut Top! Ansonsten kann man den Song, abgesehen vielleicht noch vom Text, aber getrost in der Pfeife rauchen.
Grandios wiederum ist die Tanzeinlage im mehrere Millionen Dollar schweren Musikvideo, die eine dritte Klasse an Zombies offenbart. Wo die einen rennen, Blut spucken, schreien oder einfach nur durch die Gegend torkeln, zeigen diese Zombies, dass sie noch ordentlich Rhythmusgefühl im mehr oder weniger vorhandenen Blut haben.
Bleibt abschließend nur noch zu sagen: Glückwunsch Sony, ihr macht gerade das Geschäft des Jahres! Wie wäre es mit Spenden für Jacksons “Heal the World Foundation”? Ach ja, ich vergaß, die ist ja pleite…
Nochwas zum Musikvideo: Wann fängt der denn endlich an zu singen!?
Musikvideo: Michael Jackson - Thriller
hier klicken
Albumversion: Michael Jackson - Thriller




1 Kommentar | Einen eigenen Kommentar schreiben
Hmm, da hatte ich den Michael doch noch am 22. Juni hier in einem Kommentar gelobt, zack, ist er tot…
Ich habe damals die “Bad”-Zeit recht gut miterlebt und natürlich dadurch noch das Nachwirken von “Thriller”, den meiner Meinung nach besten Alben von Michael Jackson. Ab da ging es immer weiter bergab, er wurde immer seltsamer und seine Songs hatten nie wieder die Klasse dieser beiden Alben.
“Thriller” ist bis heute ein sehr cooler Song und das Video ein absoluter Klassiker, der auch heute noch Spaß macht.
Aber schon krass, was für ein Spektakel plötzlich um jemanden gemacht wird, der in den letzten Jahren nur noch als Witzfigur gesehen wurde, jetzt ist er wieder der Größte und alle verdienen sich eine goldene Nase.
Wäre er nicht selber so irre gewesen und würde daher in erster Linie selber verantwortlich für seinen Untergang sein, könnte es einem wirklich leid tun, dass er diesen Höhepunkt in seinem Leben nicht mehr miterleben darf. Allerdings ist es vielleicht auch besser so für ihn, man weiß es nicht…
16.07.09 15:28 Uhr | | Nach oben
Einen Kommentar schreiben
(Deine Emailadresse wird nicht veröffentlicht)