Ja, es ist schon länger her, dass ich mich zu Wort meldete, dass ich mich in Verbalanarchismus gegenüber den Ausgeburten der aktuellen Charts übte, dass ich er- und verbittert wetterte, nur um jede Woche aufs Neue mit den selben Geschmacksverirrungen konfrontiert zu werden. Und so enttäuscht wie der letzte Satz wohl nun in deinen Ohren klingt, werter und vielleicht treuer Leser, so ist er auch zu begreifen. Denn wie war es anders zu erwarten, auf Dauer ist es mehr Anstrengung als Freude, sich den Charts zu widmen.

“Wie jetzt? Schmeißt er etwa hin?”
Ja, so könnte man es ausdrücken. Zu mindest wenn man vom Anspruch des wöchentlichen Chartreviews ausgeht. Ich will nicht ausschließen, dass ich mich in Sachen Charts noch mal zu Wort melden werde, aber gemessen am Aufwand, den sich wiederholenden Aussagen und dem Erfolg, der einem gegen eine Betonwand anrennenden Kleinkind glich, gibt es andere Dinge, mit denen ich sinnvoller meine Zeit verschwenden kann.
Um jetzt einer gewissen Enttäuschung entgegenzuwirken, werfe ich noch mal einen letzten Blick auf die aktuellen Charts, gehe eben die Plätze eins bis zehn durch und schreibe nieder, was mir im Affekt so einfällt, auf dass euch noch ein Schmunzeln über die Lippen kommt:

1. Dschungelratte
2. Manische Allüre
3. Ich ziehe niemals in die Stadt!
4. Hoffentlich takest du mich nicht over!
5. Gotta Feeling - ja, gelungener Titel, geht so in Richtung Migräne
6. Evacuate the Dancefloor - in diesem Titel steckt wahre Selbstkritik, Hut ab!
7. Gosse - Heavy Loss of Tast - naja, seien wir ehrlich, ganz so scheiße ist der Song nicht, erinnert mich entfernt an Pink Floyd
8. Albtraum
9. Frauenarzt & Herzinfarkt - Hey, ich kack ab, ich traure die ganze Nacht
10. ?…wie jetzt, was jetzt?! Der Song ist ja richtig gut. Der Text geht in die richtige Richtung, das Musikvideo ist absolut klasse!

Mit diesem letzten positiven Eindruck lohnt es abzutreten.
Adieu ihr Leut, ein Schritt zurück, der Vorhang fällt.

…vorläufig

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