Diese Woche war ich so frei, mich mit der aktuellen Nummer Zwei der deutschen Singlecharts zu befassen, die da heißt “Ayo Technologie“. “Moment!”, denkt da der aufmerksame Chartbeobachter, “Das kenn ich doch!”. Ganz recht, denn das Original stammt von 50 Cent, Timberlake und Timbaland, letzterer ist auf gar keinen Fall mit der Schuh- und Modemarke Timberland zu verwechseln, da diese trotz des hinkenden Vergleiches eindeutig qualitativ besser ist.

Aber bevor ich mich wieder über bescheuerte Interpretennamen aufrege, kommen wir besser zurück zum Thema. Der belgische Sänger Milow alias Jonathan Vandenbroeck, der sich im flämischsprachigen Raum großer Popularität erfreut, ist auf dem Weg, mit seiner Coverversion von Ayo Technology die europäischen Charts zu erobern. So, jetzt aber frisch ans Werk, Freunde! Für Milow gilt es mindestens, die Messlatte des Originals zu überspringen.

Wo 50 Cent mit seinem “Rap”, man müsste eher sagen monotonem Rumgenuschel, und seinem Image klar den Textinhalt verkörpert, nämlich hirnloses, triebgesteuertes Rumvögeln (ja - schon wieder), verfehlt Milow mit seiner Stimme, dem Gesang, der Instrumentation und den kleinen Instrumentaleinlagen den Inhalt. Dazu kann ich nur sagen: Gott sei Dank! Denn noch mehr Prollogehabe würde ich nun wirklich nicht aushalten.

Milows Version von Ayo Technologie übernimmt zwar die simple, musikalische Grundstruktur von Mr. Halber Doller und Co, widergespiegelt durch eine einfache Grundakkordfolge und den durchgängigen Beat. Doch auch beim Beat kann ich nur begrüßen, dass er beim Pre-Chorus erst dezent durch die Bassdrum einsetzt und am Ende des Refrains vollends mit einer weiteren Gitarre einsteigt, die mal mehr, mal weniger durch kleine Melodien die auf Dauer langweilige Akkordfolge durchbricht. Gepaart mit der Westerngitarre ergibt sich ein Hauch von Country-Stil, der im Sinne von “Wild West” am ehesten den “schmutzigen” Charakter des Originals wiedergibt. Ganz am Ende sucht sich der Song dann seinen Höhepunkt durch eine weitere begleitende Gitarre im Pre-Chorus, ehe er langsam in den letzten Zügen des Refrains auspendelt. Toll! Mit simplen Mitteln “lebt” diese Musik, ganz im Gegensatz zur eingängigen Konservenmelodie von unserer Land-See- und Kleingeldtruppe! Definitiv gibt es noch viel bessere Beispiele von solchen Songstrukturen, aber man darf nicht vergessen, dass ein Cover in gewisser Weise auch immer an die Struktur des Originals gebunden ist.

Hervorzuheben ist auch, dass Milow eine gute Stimme hat, die durch Passagen wie ab 1:48 - 2:04 Minute zeigt, was man aus 50 Cents “Rap” alles machen kann.

Am Ende ist der Song von ruhigem Charakter, der durch den im Ansatz leidenden Gesang eine leicht romantische Note bekommt. Percussion und Westerngitarre vermitteln noch eine angenehm poppige Frische und so gelingt es Milow rein von der Stimmungslage, die Zitat “Bitch” mit Prostitutionsstatus in eine Femme fatale zu verwandeln, die unseren Milow verzaubert hat. Nur der leider aus dem Original vollkommen übernommene Text passt nicht in dieses Bild und gibt dem ganzen Song eine leicht schizophrene Note.

Mit zwei Sätzen möchte ich jedoch noch etwas Positives zum Original verlieren: Man mag denken, was man will von Justin Timberlakes Stimme oder ihm selbst, aber ich halte seinen Refrain von Ayo Technologie, den Milow gesanglich übernimmt, für gelungen. Auch die Umsetzung seines “U-Ausrufes” (she want’s it) wurde vom Regisseur des Musikvideos sehr passend zum Thema eingefangen. Damit bleibt mir ein bitterer Beigeschmack zu Milows Cover, denn ich wage zu behaupten, dass Milow ohne das Original, welches von millionenschweren US-Stars und Plattenlabels vermarktet wurde, niemals seinen aktuellen Erfolg feiern würde, auch wenn er den Song selbst geschrieben hätte.

Sei’s drum, ich kann nur begrüßen, dass sich jemand wie Milow so weit oben in den Charts aufhält. Seine Musik ist nichts, was es nicht schon mal gegeben hätte, aber trotzdem verfolgt sein Song einen künstlerischen Ansatz und erzeugt eine nette, angenehme Stimmung.

Achja, noch was für unsere Timberlandschaften und unseren Doppelquarter: Ich weiß ja nicht wie’s euch so geht, aber ich finde Wodka pur ziemlich ekelhaft!

Musikvideo: Milow - Ayo Technologie



Musikvideo: 50 Cent, Timberlake & Timberland - Ayo Technologie


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