Kann sich jemand noch erinnern an “Where is the Love?” von den Black Eyed Peas? Ein wunderbares Beispiel, dass man auch mit ernsten und bedeutenden Themen ganz oben in den Charts landen kann, ohne an Triebe und kommerzielle Interessen zu appellieren! Und wenn wir schon soweit sind, kann sich jemand noch an die Alben “Elephunk” und “Monkey Business” erinnern, die einen ganz neuen Mix aus Hip-Hop und Funk hervorbrachten und auch mit eingängigen Melodien überzeugen konnten? Falls sich jemand daran erinnern kann, dann kann er es schnell vergessen, denn von dem Esprit des früheren Schaffens der Black Eyed Peas ist bei ihrer neuen Single “Boom Boom Pow” nichts mehr übrig geblieben.

Grundsätzlich muss man feststellen, dass die Black Eyed Peas sich weiterentwickeln wollten. Im Songtext machen sie einem weis, dass sie die Musik der Zukunft präsentieren, sozusagen die ultimative Formel (ihr Bumm Bumm Puder/Power?)gefunden haben, wie die zukünftige Musik so klingen soll.
Also wenn so die Musik der Zukunft klingt, dann werde ich mir nur noch die Haare raufen! Es findet eine totale Reduktion an Melodie statt. Man hört minutenlang einen stampfenden Beat zu einem einzelnen Hintergrundton. Der “Gesang”, wohl eher Rap, wirkt dem nicht entgegen, sondern bleibt größtenteils auch monoton. Um es nicht allzu langweilig zu machen, werden die Stimmen dann noch mit einfachen Auto-Tune-Effekten verschnitten, um das Ganze möglichst technisch (=die Zukunft) klingen zu lassen. Es zeigen sich damit zwar klare Parallelen zum Dance, aber dieses Genre hat auch schon viel bessere Beiträge erlebt.
Bitte versteht mich nicht falsch, es ist klasse wenn sich eine Band weiterentwickeln möchte und nicht mit altem Aufguss neues Geld verdienen möchte. Aber es ist schade, wenn aus dem Versuch der Weiterentwicklung ein Rückschritt wird. Back to Basics lautet das Motto der Black Eyes Peas. Wieder zu den holen Trommeln der Steinzeit und alles, was man sich an Melodie erarbeitet hat, wird einfach über Bord geworfen und damit eigentlich das wichtigste Element der Musik selbst.
Daher kann ich nur hoffen und bin mir auch absolut sicher, dass die Zukunft der Musik, wenn man sie als solche dann noch bezeichnen darf, nicht aus einfachem Herumtrommeln und einfallslosen Gesangseffekten bestehen wird.
Dass einige triebgesteuerte Halbaffen auf diese Steinzeitmucke abfahren, ist im wahrsten Sinne des Wortes natürlich. Was der kulturell wenig bewanderte Homo erectus voll krass fand, finden wohl einige Homo sapiens der heutigen Generation mit überraschend ähnlichen Erbanlagen auch ziemlich mega. Naja, Musik ist immer subjektiv, “Boom Boom Pow” landet als Neueinsteiger auf der Vier und die deutschen Singlecharts damit gute 10.000 Jahre in der Vergangenheit.

Während ich mich mal wieder darüber aufrege, dass die Monitore der Zukunft laut den Black Eyed Peas wohl von Hewlett-Packard stammen, suche ich mir die Anschrift eines Paläontologen raus - vielleicht hatten die Dinos ja schon dieses ominöse Bumm Bumm Puder!


Musikvideo: Black Eyed Peas - Boom Boom Pow

Verwandte Artikel