Die Sportfreunde Stiller haben sich nach New York begeben, um alte Songs ohne E-Gitarre und anderes technisches Beiwerk neu zu spielen - unplugged nennt man das. Nach ca. sieben Jahren kehrt der Song “Ein Kompliment” in neuem Gewand erfolgreich in die deutschen Singlecharts zurück. Platz Neun heißt es diese Woche. Zeit mal eine kleine inoffizielle Partie Chartfußball um den ersten Platz zu spielen. Es treten an die Sportfreunde Stiller gegen ein All Star Team aller “Künstler“, die ich durch den Kakao gezogen habe. Ich selbst habe die Ehre als Unparteiischer in das Spiel einzugreifen. Wie? Ob ich parteiisch bin? Aber selbstverständlich, Musikgeschmack ist immer subjektiv!

Meine sehr verehrten Zuschauer, die Mannschaften haben das Spielfeld betreten, Zeit zum Anpfiff.
In Sachen musikalischer Anspruch bekommen die Sportfreunden Stiller einen klaren Platzverweis. Die Gitarre schreddert meist Wald- und Wiesenakkorde, der Gesang ist total normal, der Schlagzeugbeat simpel und der Bass…
So, Abpfiff, Spielabbruch - so wird das hier nichts. Wer sich den Sportfreunden Stiller auf diese Art nähert, der erwartet beim Fußballspiel jede Minute ein Tor und elf Christiano Ronaldos gegen elf Lionel Messis. Und genauso wie Fußball nicht so ist, sind auch die Sportfreunde Stiller nicht so. Da gibt es kein großes Musikgeplänkel, da gibt’s nur Spaßmucke.
So, das Ganze von Vorne. Spieler wieder auf dem Platz? Okay, Anpfiff!
Dass man für gute Musik nicht kompliziert spielen muss, dass haben schon viele Bands bewiesen. Die Sportfreunde haben vor allem Ohrwurmcharakter: Eingängige Textpassagen mit Melodien, die aus ein paar wenigen Tönen bestehen. Gleichzeitig noch eine ordentliche Portion Tempo, das Schlagzeug schön eingedeckt und an der Gitarre wird ein rockiges Brett gefahren. Sehr wichtig ist aber auch, dass die Texte auf Deutsch sind und der Gesang nun wirklich niemanden vor ernste Schwierigkeiten stellt.
Da wundert es doch kaum, dass zur WM 2006 die Sportfreunde Stiller mit dieser Rezeptur eine zeitweilige zweite Nationalhymne auf die Beine stellten und auf Platz eins der deutschen Singlecharts landeten.
Empört schreit nun die All-Star-Fankurve auf, wie es denn sein könne, dass der parteiische Unparteiische, einigen Songs die rote Karte zeigt wegen musikalischer Mängel, die Sportfreunde Stiller aber bisher noch nicht mal verwarnt wurden.
Nagut, bevor jetzt einige alberne Musikproduzenten auf der Trainerbank vollends ausflippen: die Sportfreunde sind kommerziell. Aber ist das nicht jeder, der seine Musik verkauft? Die Frage ist eher, ob der Grad der Kommerzialität noch vertretbar ist. Schiri sagt ein klares “Ja”, kein Faulspiel, weiterspielen und jetzt Ruhe auf der Trainerbank sonst Tribüne!
“Aber an der Kommerzialität allein kann der Schiedsrichter doch seine Entscheidungen nicht festmachen“, salbadert der Fernsehkommentator! Stimmt, macht er auch nicht. Entscheidend ist das Image. Die Sportfreunde Stiller haben natürliche, fröhliche Texte, die weder auf dicke Hose machen, noch das Konzept “Sex sells” verfolgen. Sie sparen sich peinliche und absolut alberne Karnevalskostüme à la Tokio Hotel, sie - und das ist für mich heutzutage sehr wichtig - sind natürlich.
Gerade der Song “Ein Kompliment” ist dafür ein gutes Beispiel, kein Kitsch, kein Herumgeprolle, sondern das einfache Geständnis, eine Frau zu lieben.
Tja, das ist wohl die Spielentscheidung, es hat Spaß gemacht den Sportis zuzusehen, die gegnerische Mannschaft dagegen zählt einen Haufen Platzverweise und Verletzungen einiger Spieler, die über ihre schweren Goldketten gestolpert sind und sich schnurstrakts auf die Schnauze gelegt haben - ziemlich erbärmlich. Abpfiff!

Jaja, Nachspielzeit. Was der Schiri von unplugged-Aufnahmen hält? Können echt gut sein, wirkt aber öfters, als ob man aus Altem neues Geld machen möchte.


Song: Sportfreunde Stiller - Ein Kompliment
(MTV unplugged in New York)

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